Skip to content

Zielformel:

T2r3=4π2GM=konstant(Verallgemeinerung auf Ellipsen: ra, große Halbachse)

Gültigkeitsbereich / Annahmen:

  • Kreisbahnnäherung: Bahnradius r konstant (Verallgemeinerung ra am Ende der Herleitung).
  • Zentralmasse M viel größer als die Masse des Umlaufenden (Mm): M ruht näherungsweise, r ist der Abstand zu ihrem Massenmittelpunkt.
  • Die Gravitation ist die einzige Kraft und übernimmt genau die Rolle der Zentripetalkraft (FZ=FG).
  • Newtonsche Mechanik gültig (vc, schwaches Gravitationsfeld).

Verwendete Formeln

FormelNameFormelnheft
FZ=mω2r=mv2rZentripetalkraft✅ S. 2 („Zentripetalkraft FZ=mω2r=mv2r")
FG=Gm1m2r2Gravitationsgesetz✅ S. 2 („Gravitationsgesetz")
ω=ΔφΔt=2πfWinkelgeschwindigkeit✅ S. 2 („Winkelgeschwindigkeit")
f=1TFrequenz✅ S. 2 („Frequenz")
v=ωrBahngeschwindigkeit❌ nicht im Formelnheft — in der Prüfung selbst hinschreiben (folgt sofort aus den zwei Schreibweisen von S. 2: aZ=ω2r=v2rv=ωr)
(T1T2)2=(r1r2)33. Keplergesetz (Verhältnisform)✅ S. 2 („3. Keplergesetz") — siehe unten „Bezug zur Verhältnisform"

Herleitung (Schritt für Schritt)

  1. Winkelgeschwindigkeit durch die Umlaufzeit ausdrücken (reine Definition: ein voller Umlauf bedeutet Δφ=2π in der Zeit Δt=T; gleichwertig aus S. 2: ω=2πf mit f=1/T):ω=2πT
  2. Bahngeschwindigkeit und Winkelgeschwindigkeit verknüpfen (bei gleicher Winkelgeschwindigkeit legt ein äußerer Punkt in gleicher Zeit einen längeren Bogen zurück: Bogenlänge =φr, durch die Zeit dividiert; oder Vergleich der zwei Schreibweisen von aZ):v=ωr
  3. Zentripetalkraft mit ω schreiben (Einsetzen von v2=ω2r2 in FZ=mv2r von S. 2 — so lässt sich später ω=2π/T direkt einsetzen):FZ=mω2r2r=mω2r
  4. Kräftegleichgewicht FZ=FG ansetzen (der physikalische Kernschritt: kein Seil hält den Planeten — die Gravitation selbst ist die Zentripetalkraft; genau das rechtfertigt das Gleichsetzen):mω2r=GMmr2
  5. Masse m des Umlaufenden kürzen (m steht auf beiden Seiten linear und m0, Division erlaubt; physikalische Bedeutung: die Bahn ist unabhängig von der Masse des Umlaufenden — gleicher Orbit, gleiche Umlaufzeit):ω2r=GMr2
  6. Beide Seiten durch r dividieren (reine Algebra, alle r auf die rechte Seite; Achtung: kein „Kürzen", rechts entsteht r3):ω2=GMr3
  7. ω=2πT einsetzen und quadrieren (die geometrische Größe ω durch die Messgröße T ersetzen: ω2=4π2T2):4π2T2=GMr3
  8. Über Kreuz umstellen: Variablen T,r und Konstanten trennen (beide Seiten mit T2GM multiplizieren — Zielform erreicht):T2r3=4π2GMRechts stehen nur G und die Zentralmasse M → für alle Umlaufenden um denselben Zentralkörper dieselbe Konstante.
  9. Verallgemeinerung ra (Kreis → Ellipse) — nur Erläuterung, kein strenger Beweis: Nach dem 1. Keplerschen Gesetz sind die wahren Bahnen Ellipsen. Newton zeigte in seiner vollständigen Theorie: Die Beziehung gilt für Ellipsenbahnen unverändert, wenn man r durch die große Halbachse a ersetzt:T2a3=4π2GMDer strenge Beweis erfordert die Lösung der Bewegungsgleichung für Ellipsenbahnen (zusammen mit dem Flächensatz) und liegt außerhalb des Prüfungsrahmens; dass die Kreisbahn-Herleitung genau dieselbe Konstante 4π2GM liefert, in der Prüfung aktiv als Erläuterung kennzeichnen.

Bezug zur Verhältnisform im Formelnheft

Das Formelnheft S. 2 gibt die Verhältnisform (T1T2)2=(r1r2)3ohne Konstante. Der Zusammenhang:

  • Aus Schritt 8 folgt für zwei Körper um dasselbe M: T12r13=T22r23=4π2GM. Über Kreuz umgestellt (beide Seiten mal r13T22) ergibt das genau die Verhältnisform — sie ist eine direkte Folgerung aus der Form mit Konstante.
  • Umgekehrt sagt die Verhältnisform nur, dass die Konstante für alle Planeten gleich ist, nicht wie groß sie ist; zur Bestimmung der Zentralmasse M (Rechenbeispiel unten) braucht man die hergeleitete Form T2a3=4π2GM.

Rechenbeispiel auf Prüfungsniveau ★: Sonnenmasse aus der Erdbahn

Erdbahn: T=1 a=3,156107 s (unbedingt in Sekunden umrechnen!), a=1,4961011 m. Das dritte Keplergesetz nach M auflösen:

M=4π2a3GT2

Schrittweise einsetzen (G=6,6731011 N·m2kg2, Formelnheft S. 1):

  1. a3=(1,4961011)3=3,3481033 m3
  2. 4π2a3=39,483,3481033=1,3221035
  3. T2=(3,156107)2=9,9601014 s2; GT2=6,67310119,9601014=6,647104
  4. M=1,32210356,6471041,991030 kg21030 kg

Probe: stimmt fast exakt mit MS=1,9891030 kg aus dem Formelnheft S. 1 überein. Gleiches Verfahren: Erdmasse aus der Mondbahn, Masse des zentralen schwarzen Lochs aus Sternbahnen um das galaktische Zentrum — sobald etwas um M kreist, lässt sich M „wiegen".

Variablentabelle

SymbolBedeutungSI-Einheit
TUmlaufzeit (Zeit für einen vollen Umlauf 360°)s (im Beispiel unbedingt Sekunden)
rRadius der Kreisbahn (Abstand zum Massenmittelpunkt des Zentralkörpers)m
agroße Halbachse der Ellipsenbahn (ersetzt r nach der Verallgemeinerung)m
ωWinkelgeschwindigkeitrad/s
φüberstrichener Winkelrad
fFrequenzHz = 1/s
vBahngeschwindigkeit (tangential)m/s
mMasse des Umlaufenden (wird gekürzt)kg
MMasse des umkreisten Zentralkörperskg
FZZentripetalkraftN
FGGravitationskraftN
GGravitationskonstante =6,6731011 N·m2kg2 (Formelnheft S. 1)N·m²/kg²
MSonnenmasse =1,9891030 kg (Formelnheft S. 1, „MS")kg

Verknüpfungen

  • H08 — dasselbe Schema „zwei Kräfte gleichsetzen, Probemasse kürzen"; erst nach der Messung von G liefert diese Formel M.
  • Thema 11 §11.4 — Original-Herleitung im Skript (identische neun Schritte) und Tabelle der umkreisten Massen.
  • Thema 2 §2.2 — dasselbe Gleichgewicht FZ=FG liefert die Bahngeschwindigkeit; §2.3 geostationäre Bahn = diese Formel nach r aufgelöst.
  • Thema 8 §8.7 — warum es die Zentripetalkraft gibt und warum sie eine „Rolle", keine eigenständige Kraft ist.